
Der Ort „Am Judenkirchhof“ in der Hannoverschen Nordstadt markiert ein historisches Spannungsfeld zweier Religionen und der städtischen Expansion des 19. Jahrhunderts. Kern des Areals ist der Alte Jüdische Friedhof an der Oberstraße, der bereits Mitte des 16. Jahrhunderts auf einer Sanddüne vor den Stadttoren angelegt wurde. Er ist mit rund 700 erhaltenen Grabsteinen das älteste Zeugnis jüdischen Lebens in Hannover. Eine historische Zäsur bildet das Jahr 1864: Zeitgleich mit der Schließung des überfüllten Friedhofs wurde die direkt angrenzende Christuskirche eingeweiht. Der monumentale neogotische Backsteinbau, errichtet zwischen 1859 und 1864 nach Plänen von Conrad Wilhelm Hase, diente als Residenzkirche König Georgs V. und erstes Gotteshaus der wachsenden Nordstadt. Die Architektur spiegelt das damalige gesellschaftliche Verhältnis wider, da der 70 Meter hohe Kirchturm bewusst so platziert wurde, dass er die jüdische Begräbnisstätte optisch dominiert.